Neulich ist es wieder passiert, ich habe es gewagt in spirituellen Kreisen eine auf Fakten aufgebaute Kritik zu äußern. Diesmal ging es darum aufzuzeigen, dass die sich selbst als spirituell bezeichnende Szene auf dem rechten Auge komplett Blind ist. Immerhin ist ein Beitrag in Pegida Manier nun etwas was jeder lesen und sehen kann. Der Rassismus trat diesem Beitrag nur so aus den Poren. Selbst ein Söder hätte es nicht leugnen können. Und das in einem Forum, dass über Liebe und "eins sein" schwafelt (ich war mal wieder in sowas gelandet dank Facebook und seiner Einladefunktion). Auf das Thema Rassismus und Spiritualität werde ich noch in anderen Beiträgen eingehen. Um was es mir hier geht ist aber eine Basis dafür. Ich werde auch noch darüber schreiben, warum Menschen die sich als spirituell ansehen aber gleichzeitig eine moderne aufgeklärte Position vertreten (oh ja das geht) dringend und konsequent laizistisch sein müssen. Doch zurück zum Thema.

Also wie war die Reaktion darauf? Die Reaktion darauf, dass etwas schwarz auf weiß zu sehen war. Und die Reaktion auf eine argumentativ vorgebrachte Kritik. Ich erwartete eine vernünftige Auseinandersetzung, es hätte ja durchaus sein können, dass ich falsch lag. So sicher wie ich mir auch war recht zu haben, als überzeugter Anhänger der Aufklärung ist Zweifel mein bester Freund, gerade auch bei spirituellen Themen, was dies ja noch nicht ein mal war. Denn auch alle ernstzunehmenden spirituellen Traditionen die in ihrer Entwicklung nicht in religiösen ausschließlichkeits Ansprüchen stehen geblieben sind, verlangen den Einsatz unseres höchsten Gutes dem Gehirn (alle geistigen Funktionen, auch das was metaphorisch gerne als Herz bezeichnet wird oder die Intuition, sind gehirngebunden). Buddha hat verlangt, dass man ihm nicht einfach glauben sollte, der Islam war immer ein Förderer der Wissenschaften(ich schließe hier mal in allen Religionen fundamentalistische Idioten aus), und auch in der Bibel findet sich die Aufforderung alles zu prüfen und nur das zu behalten was gut ist. Nicht zu vergessen das zweite Vatikanische Konzil und die Rehabilitierung von Galilei.

Doch weit gefehlt, die Antwort die ich bekam lässt tief Blicken. Die, und jetzt nenne ich das Kind mal beim Namen, esoterische Szene(mit Spiritualität in einem reifen und aufgeklärten Sinne hat das nichts mehr zu tun), hat sich von jeder emanzipatorischen Absicht getrennt die z. B ein Buddha gehabt hat (scheint das traurige Schicksal aller großen und spirituell ausgerichteten Lehrer sein, dass ihre Lehren missachtet werden). Ich bekam zu hören, dass ich wohl in meiner Entwicklung im Verstand hängen geblieben sei. Zudem wurde mein berechtigter Zorn über die indifferente Haltung gegenüber dem präsentierten Rassismus auch noch als fehlender Gleichmut dargestellt. Mehr esoterisch-romantische Klischeevorstellung auf kleinen Raum geht nicht mehr. Und gefährlichen ist diese Vorstellung auch noch!

Der Verstand wird als zu überwindendes Hindernis angesehen. Der dann auch noch hierarchisch irgendwo unten angesiedelt ist. Diese Einstellung, dass der Verstand „Böse" ist, quasi das dumme Ego repräsentiert, dass von irgendwelchen erleuchteten Gurus geleitet werden muss, stammt aus einer vollkommen falsch verstandenen erkenntnistheoretischen Kritik, wie sie z. B. im Zen formuliert wird. Dabei geht es darum die Modelle die vom Verstand geliefert werden, nicht mit der Realität zu verwechseln. Es geht auch darum den Erkenntnisapparat des Menschen nicht nur auf den Modus des Verstandes zu reduzieren. Der Intuition soll Raum gelassen werden. Aber nie geht es darum kritisches Denken, dass auf Fakten beruht, aufzugeben. Fakten sind immer zu hinterfragen, aber ein Apfel der fällt ist ein Fakt. Zen fordert uns gerade dazu auf, sorgfältig das was Modell ist vom Faktum, dem primär wahrnehmbaren, zu trennen. Der Finger der auf den Mond zeigt ist nicht der Mond. Aber das hat nichts mit der primitiven Verstandesleugnung in esoterischen Kreisen zu tun. Im Gegenteil, es ist hoch subtil eingesetzter Verstand, um dem Menschen sein volles Potential zugänglich zu machen. Es transzendiert zwar den Verstand, dieser ist aber für diese Transzendenz absolut notwendig. Er verhindert, dass wir, wie es im tibetischen Buddhismus heißt, auf das Horn eines Hasen reinfallen.

Was mir aber so als Antwort entgegen kam, hat damit nichts zu tun. Es ist nichts weiter als das Kennzeichen eines in sich geschlossenen Weltbildes. Alles was vom Verstand kommt, der kritisch analysiert, wird abgebügelt. Es dringt nicht vor. Alle Erkenntnisformen die mit dieser Interpretation des Verstandes assoziiert werden, wie Wissenshaft, kommen unter den Generalverdacht, dass sie nicht die "wahre Wahrheit" wiedergeben. Damit kann dem "Mainstream" nicht geglaubt werden. In welcher Form eine Verifizierung statt finden kann wird nicht mitgeteilt. Stattdessen entscheiden Personen was Fakt ist oder nicht. Jedem in Tibet ausgebildeten Mönch wird hier schlecht. Diese Mönche haben eine jahrelange philosophische Ausbildung, die Argumentieren, Logik und Rhetorik enthält. Mystisch-spirituelle Erfahrungen werden nach Kriterien, die nicht beliebig sind, angenommen oder verworfen. Man kann mit ihnen über ihr Weltbild streiten. Ihre Axiome als Atheist/Materialist ablehnen. Aber eins ist ihre Spiritualität, und die aller ernstzunehmenden Traditionen nicht: Verstandesfeindlich.

Verstandesfeindlichkeit führt nur zu einem, Irrationalität und nicht zu Spiritualität. Diese Irrationalität öffnet Tor und Tür für Systeme die beliebig, Fakten ungebunden und autoritär sind, also fundamentalistisch. Ich denke mehr ist nicht zu sagen. Wer Ähnlichkeiten zu Mustern in der Pegida Bewegung sieht liegt völlig richtig. Die Nachbarbarschaft dieser Bewegung mit esoterischen Müll ist nicht zu übersehen. Chemtrails lässt Grüßen.


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