Es hat sich eingebürgert in der Naturheilkunde, mit irgendwelchen obskuren Verweisen auf die Naturwissenschaft ohne Quellenangaben und Zitate, zu behaupten, dass eine, vorzugsweise ganz neue und mit einer phantastisch Erfolgsrate ausgestattete Methode, wirksam ist. Wunderbares Beispiel ist die Modewelle um die Quanten- und Matrixheilung. Hier muss laut Stopp gerufen werden!

Selbst in der klassischen Medizin wird nicht mehr hingenommen, dass irgendwelche Versuche in den Raum gestellt werden (die außerdem meistens Industriefinanziert sind) und mit ihnen Wirkungsraten behauptet werden, die im freundlichsten Fall vielleicht vorhanden sein könnten. Die Vertreter der Evidenzmedizin hingegen sind undogmatisch. Sie sammeln alle Versuche zu neuen Therapien oder Medikamenten und bilden Datenbanken damit, so dass jeder sich selbst ein Bild machen kann. Hier ein sehr erhellender Beitrag dazu (Transkript eines in englisch gehaltenen TED Vortrages).

Wichtig dabei ist: wer behauptet eine reproduzierbare Methode zu haben, muss auch liefern. Und zwar Daten und Versuche die diese belegen. Was bei den Versuchen aber gefordert sein muss, ist dass sie die innere Logik der Methode berücksichtigen. Und dies ist bei der Überprüfung von naturheilkundlichen Verfahren regelmäßig nicht der Fall, da die innere Logik nicht so einfach zu berücksichtigen ist. Wir haben es häufig mit Individualverfahren zu tun, die sich mit klassischen Doppelblindversuchen nicht korrekt Untersuchen lassen. Interessanterweise wird dies auch von den Befürwortern der komplementär Verfahren missachtet, was auch hier zu falsch positiven führen kann und führt. Als relativ junges Beispiel sei die GERAC Studie über die Akupunktur erwähnt. Hier wären etliche Fehler nachzuweisen, was aber an dieser Stelle den Rahmen sprengen würde. (). Ein Artikel des Spiegels nimmt Bezug auf diese Schwierigkeiten. Wobei der Spiegel selber zeigt wie schwierig das Thema ist, da er in seinen Beiträgen ständig zwischen polaren Positionen hin und herspringt.

Aber anstatt dass sich innerhalb unsere Zunft etwas bewegt und konstruktiv an diesem Problem gearbeitet wird, um zu untersuchen was an unseren althergebrachten Verfahren dran ist, wird eine neue Methodik nach der anderen rausgehauen und behauptet, dass diese wirksam seien. Ohne ein einziges Datum und Faktum zu haben was den Kriterien der Evidenz stand hält.

Solange wir als Therapeuten sagen, dass wir verfahren benutzen die innerhalb eines solchen Evidenzansatzes noch nicht untermauerte sind, wir aber lange Erfahrungswerte haben, und den Patienten auch so aufklären ist das ok. Ich selbst, der mit chinesischer Medizin arbeite, vor allem mit der Akupunktur bin genau in solch einer Situation. Wie auch viele Kollegen, die mit aus meiner Sicht funktionierenden Verfahren mit Tradition arbeiten. Was aber definitiv nicht angeht, und eigentlich schon gegen geltende Gesetzeslage verstößt, ist ein Nachweisbarkeitstaus zu beanspruchen der nicht existiert und aus der Luft gegriffen ist. Wer so argumentiert ist nichts weiter als ein Scharlatan. Das hat mit Erfahrungswissen nichts mehr zu tun.

Es ist kein Beinbruch eine Methode zu benutzen von der oder die Behandlerin weiß, dass sie funktioniert aber wissenschaftlich nicht belegt ist. Das ist gerade, wenn wir ethisch damit umgehen unserer Freiraum. Wissenschaft ist langsam und wir haben Kurierfreiheit in Deutschland. Und wenn es funktioniert wird über die Füße abgestimmt. Es ist ein Ammenmärchen, dass ein Verfahren an dem nur der Placebo wirkt sich am Markt halten kann.

Nur der Klient muss klar aufgeklärt werden darüber. Er muss Wissen worauf er sich einlässt. Umso erfreulicher ist jeder Versuch und jedes Experiment, dass den Evidenzkriterien entspricht. Und umso leichter ist es dann für Therapeuten, wie mich, mit maturwissenschaftlicher Ausbildung Kritik an Versuchen zu äußern, die unsere Methoden scheinbar wiederlegen, aber definitiv nach wissenschaftlichen Maßgaben nicht korrekt durchgeführt worden. Auch für unsere Kollegen die in der Forschung arbeiten wird es einfacher, wenn wir redlich mit den Daten umgehen, z. B. bei der Anwerbung von Drittmitteln. Denn wo Esoterik gewittert wird ist das scheue Reh genannt Wissenschaftler schnell verschwunden.

Der esoterische Sumpf von pseudowissenschaftlichen Behauptungen ist dagegen unser größtes Hindernis. Als Beispiel sei die so genannte neue germanische Medizin erwähnt. Ich habe sie mir angeschaut, und nichts, wirklich nichts (außer der trivialen Tatsache, dass es eine Beziehung zwischen Psyche und Krebsgeschehen gibt [Psychoonkologie] und der auch in der naturwissenschaftlichen Medizin bekannten Fragestellung ob wirklich jede Chemotherapie evident ist) ist daran haltbar. Alles andere kommt noch nicht mal in die nähe einer ernst zu nehmender Hypothesen. Ganz abgesehen von der widerlichen Paarung des ganzen mit Antisemitismus. Auch die Begrifflichkeit der Quantenheilung ist vollkommen unangebracht. Hier werden Begriffe, die vermutlich noch nicht mal verstanden werden, unzulässiger Weise auf eine in der Heilkunde alte Tradition übertragen. Ich streite mich gerne mit Hardcore Materialisten ob es sowas wie Geistheilung gibt. Immerhin ist der Geistheiler in englischen Krankenhäusern sogar ein normaler Anblick. Wo ich aber klar die Position des Wissenschaftlers einnehme, ist bei einer pseudowissenschaftlichen Konstruktion wie der Quantenheilung.

Es bleibt die Feststellung, dass der Evidenznachweis auch für uns gilt. Naturheilkunde und komplementär Medizin ist kein Freifahrtschein für Irrationalität und nicht zu haltenden esoterischen Unsinn.


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