So es hat länger gedauert, als wir uns das so gedacht haben. Das Korrekturlesen unseres Buches durch unser Korrektorin war für alle harte Arbeit. Doch nun sind wir in der Endphase. Ich habe es gerade nochmal durchgelesen. Die letzten Macken die wir noch sehen bearbeiten wir gerade, und im September soll es in die Veröffentlichung gehen. Wir hoffen, dass wir damit Diskussionen an einigen Stellen anregen werden.Vielleicht tragen wir dazu bei, dass der notwendige Paradigmenwechsel auf beiden Seiten der Mauer, die Wissenschaft und Spiritualität trennt, stattfinden kann. Hier eine kleine Leseprobe aus Kapitel 1

Miguel Angel Galan Garcia

Thorsten Imkamp

Spiritueller Atheismus

oder

Wie man nicht an Gott zu glauben braucht,

aber doch auf ihn vertrauen kann.

Grenzen

Es gibt eine Intuition, die wir alle teilen. Sie kann geleugnet oder gar ignoriert werden, aber jeder von uns trägt doch diese Ahnung in sich: Dieses Universum muss irgendeinen Sinn haben, ein „Warum“.

Die „Warum“-Frage ist nicht ohne eine Form von Bewusstsein denkbar. Selbst diejenigen, die sich als materialistische Atheisten bezeichnen würden, fragen nach dem „Warum“ des Universums. Ihre Antwort ist dann in der Regel, dass sie ihre das Universum nur beschreibenden aber nicht erklärenden Naturmodelle zum Warum erheben. Als Beispiel sei hier einmal mehr die vielzitierte mögliche Vereinigung der Allgemeinen Relativitätstheorie mit den Quantenfeldtheorien in der Physik genannt. Sollte sie in Form einer mathematisch konsistenten und die empirischen Beobachtungen tragenden Theorie in welcher Form auch immer gefunden werden, würde sie die Evolution des Universums wohl angemessen beschreiben. Doch mit der immer wieder gehörten trivialen Benennung als einer „Theorie von Allem“ erhebt man (vielleicht unbewusst) eine mathematische Beschreibung in den Stand einer vollständigen Erklärung. Verkürzt würde man dann vielleicht sagen: Materie und ihre Wechselwirkungen stellen das Warum der Welt dar. Die ethischen Folgen einer solchen Philosophie sehen wir täglich in einem scheinbar völlig anderen Zusammenhang, nämlich in den negativen Aspekten unserer Konsumgesellschaft, wie wir an späterer Stelle noch genauer analysieren werden.

Andere wiederum gehen den Weg, dieses Warum als göttliche Wesen aller Art zu materialisieren, von Singular bis Plural, von weiblich bis männlich, mit völlig unterschiedlichen Attributen. Auch hier haben wir es mit einer Form des Materialismus zu tun, auch wenn das den meisten Menschen nicht bewusst zu sein scheint, nämlich einem vermenschlichenden spirituellen Materialismus. Hier ist die Folge dann ein Wahrheitskrieg um die haltlosen Varianten dieser Veranschaulichung. Denn es kann aus dieser Perspektive nur eine richtige Antwort auf die Frage des Warums geben. Wir finden in diesem Denken die Ursache für alle Glaubenskriege, die es in der Geschichte der Religionen immer gab und auch heute leider noch in brutalster Ausprägung gibt.

Von diesem Vorwurf soll das Schamanische Denken und Handeln explizit ausgenommen werden, denn es entspricht nicht den eben geschilderten religiösen Strukturen, sondern ähnelt auf verblüffende Weise dem hier im Weiteren entwickelten Gedankengebäude, wenn auch zwangsläufig in die Sprache der Mythologie gewandet, worauf ebenfalls an späterer Stelle genauer eingegangen wird.

Die dritte Variante der Reaktion auf die Warum-Frage ist, das Ganze für vollkommen sinnlos zu halten, wie Jacques Monod es in seinem Werk Zufall und Notwendigkeit [Mo1971, deutsche Übersetzung] tut:

„Wenn er diese Botschaft in ihrer vollen Bedeutung aufnimmt, dann muss der Mensch […] seine totale Verlassenheit, seine radikale Fremdheit erkennen. Er weiß nun, dass er seinen Platz wie ein Zigeuner am Rande des Universums hat, das für seine Musik taub ist und gleichgültig gegen seine Hoffnungen, Leiden und Verbrechen.“

Hier stellt sich jedoch ein absolut erschreckendes Bild dar! Der Mensch wird einsam in ein sinnloses Universum geworfen. In den seltensten Fällen resultiert aus dieser Vorstellung ein Weltbild, das förderlich ist. Meistens mündet das zugehörige Denken in eine scheinbar sinnbefriedigende Anhaftung an den Prozess des „Habenwollens“ und somit in eine Steigerung des Materialismus der ersten Variante.

In allen drei Fällen entsteht ein Dualismus, bei dem die Einheit des fragenden Menschen mit dem Universum verloren geht. Wir empfinden keine Verbundenheit oder gar Geborgenheit mehr. Eine zweite Intuition wird dabei verdrängt, nämlich die der Einheit von Allem, die sich im Wort Universum auch ausdrückt. Im ersten Falle ergibt sich das Auseinanderfallen von Subjekt und Objekt, im zweiten der Gegensatz zwischen „Gott“ und den Menschen und im dritten die Konfrontation des einsamen Menschenmit einer sinnlosen materiellen Welt. Allen Varianten ist das dualistische Denken immanent.

Es gab zwar immer wieder Ansätze in den spirituellen Traditionen, dies zu überwinden. Aber alle, selbst der Buddhismus, sind schließlich in Dogma und Religion erstarrt, und damit in einer Variante von Nummer 2. Auch die Varianten 1 und 3 sind auf gewisse Weise zu Religionen mutiert. Und schließlich ist der wissenschaftliche Atheismus eines Richard Dawkins (s. z.B. [D1976], [D2006]) nicht weniger fundamentalistisch als so manche Religion.

All diese genannten Spielarten des Denkens leiden an der Hybris ihrer Grenzenlosigkeit. Ihre Protagonisten glauben daran, dass ihre Modelle auf irgendeine Weise das Universum vollkommen, absolut und endgültig abbilden oder zumindest das Potential dazu haben. Und damit sind wir wieder in einem Glaubenskrieg, wobei sich das Wort „Glaubenskrieg“ nicht nur auf religiösen Wahn bezieht, sondern auch auf die Wissenschaft! Alle Involvierten sind nicht mehr in der Lage, die Grenzen der Leistungsfähigkeit ihrer Modelle in vollem Umfang zu erkennen.


Alles weitere könnt ihr dann im Werk selber lesen. Bis dahin...


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